24. Dezember 2010

Über Weihnachten, Beziehungen und die Verwandschaft- und was all diese Dinge irgendwann gemeinsam haben

Veröffentlicht in Nichtssagend, Philosophie um 12:15 von cheshiredog

Weihnachten war früher stark. Als Kind freute man sich schon im Oktober auf dieses Fest der Besinnlichkeit, Geborgenheit, den Zusammenhalt der Verwandschaft- und nicht zu vergessen auf die Geschenke. Zuerst wurde das Haus festlich Geschmückt, das war einem im Prinzip egal, aber irgendwie trug die Deko doch ihren Teil der passenden Stimmung bei. Der Weihnachtsbaum war bei uns immer an die zwei Meter hoch, er musste mit Fäden befestigt werden, weil er sonst umgefallen wäre. Dann wurden Christbaumkugeln, die über Jahre zusammen gesammmelt wurden, und Lebkuchen, die schon zwei Wochen alt waren, daran befestigt. Schön. Wenn man selbst nur 1.40 groß war, schindete dieser Anblick wirklich Ehrfurcht.

Irgendwann war es dann soweit, es wurde hektisch gekocht, weil die Verwandeten und Freunde schon in zwei Stunden erscheinen wollten. Dann, nach viel zu langer Wartezeit, waren sie dann endlich da und das drei Gänge Menü konnte verspeist werden. Dabei brauchten die Erwachsenen meist viel zu Lange, wieso waren die eigendlich nicht so gespannt auf die Bescherung? Anschließend konnten dann endlich die Geschenke ausgetauscht werden. WUHUU, ein neues Fahrrad, aber mein selbstgemaltes Bild für dich ist doch auch schön, oder Mama? Was für ein Tausch, ich bin echt talentiert.

Die Erwachsenen schenkten sich manchmal Flaschen, die dann im Anschluss gemeinsam geleert wurden, die Stimmung wurde ausgelassener. Zwei Stunden später war man dann auch müde, morgen würde man ja immerhin Oma und Opa besuchen gehen.

Erinnerungen wie diese lassen mich heute das Weihnachtsfest irreal erscheinen. Wo ist der hin, der Zauber, die Euphorie? Für mich ist der 24 Dezember jeden Jahr ein Klotz am Bein, irgendjemand streitet sich immer, keiner hat wirklich mehr Spaß an Weihnachten. Man feiert es halt, weil man es feiern muss. Oder weil es sonst noch kälter wäre, als es eigendlich schon ist. Helfen tut da im Anschluss meist nur die Flasche, welche man verschenkt.

Vielleicht sind wir zu alt geworden, oder wird sind noch zu jung. Eventuell fallen wir genau zwischen die Altersklassen der Weihnachtsgenießer, vielleicht sitzen wir schlicht und einfach zwischen den Stühlen. Oder vielleicht bin ich auch der Einzige, der Weihnachten so unintensiv empfindet.Ich weißt durchaus noch von anderen Menschen, die dieses Ereignis angeblich feiern sollen.

Jedoch ist mir in letzter Zeit wieder klar geworden, dass ich diese fehlende Intensität nicht nur auf Weihnachten beziehe. Langsam schleicht sie sich ein, sie ist wie die Kopfschmerzen vor dem ersten Grippetag. Freunde an sich haben auf Dauer immer weniger Bedeutung, es gibt ja auch so viele Menschen im Umfeld, warum sich also dieser Monogamie hingeben? Warum sich melden und absagen, wenn doch eh noch viele andere Menschen eingeladen sind? Zwar sind zwischenmenschliche Beziehungen bei weitem nicht mehr so intensiv, jedoch steigert sich die Quantität ins Unermessliche. Jeder der schon einmal eine Gästeliste für eine Party geschrieben und dabei acht (heute natürlich nur noch realtiv) wichtige Menschen vergessen hat, weiß was ich meine. Das schöne an dieser Art der Beziehungen ist, dass man wesendlich weniger Verantwortungen und Verpflichtungen hat. Jedoch wird die Gesellschaft nicht wärmer dadurch.

Trotz all diesen nostalgischen Gedanken, wünsch ich euch allen ein besinnliches Weihnachtsfest. Lasst es euch gut gehen, vielleicht sieht man sich heute Abend ja auf irgendeiner Party.

 

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